Umlauttücken

Dienstag, 9. März 2004, 17.31 Uhr

Ab dem 1. März erweitert das Denic den Zeichenbestand für de-Domains um 92 Sonderzeichen und akzeptiert Namen wie schröder.de oder rené.de. Frohgemut feiert man die Erweiterung als Beitrag zur »kulturellen Identität« und verspricht »konsistentes Branding«, weil nun »exakt der gewünschte Name registriert werden« könne. Das ist natürlich geflunkert, auf das »ß« muss man trotzdem verzichten. Schlimmer noch: am Ende könnte die Erweiterung mehr Probleme aufwerfen, als sie vermeintlich löst. Das beginnt bereits bei Browser, Mailer & Co., die zuerst sonderzeichentauglich gemacht werden müssen. Nun ist diese technische Hürde durch entsprechende Updates noch einfach zu nehmen, schwieriger wird es mit den unvermeidlich sich einstellenden Verwechslungen zwischen schroeder.de und schröder.de: Das klingt gleich und ist doch grundverschieden. Wer sicher sein will, wird sich jetzt wohl auch die Sonderzeichen-Varianten seiner Domains zulegen müssen. Und ob sich der stolze Besitzer einer solchen Domain klar macht, dass man da, wo die Tastaturen keine Sonderzeichen besitzen, den Domainnamen auch nicht problemlos in Browser oder Mailer eintippen kann und dass ein Internet mit Sonderzeichen Gefahr läuft, zu einer national beschränkten Angelegenheit zusammen zu schrumpeln? Es gibt eigentlich nur eine Branche, die mit den neuen Domains etwas anfangen kann: Die Spammer. Die werden sich das Verwirrungs- und Verkleidungspotential der Sonderzeichen-Domains nicht entgehen lassen.

Zuerst in: Internet Professionell, 3/2004


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