UMTS Reloaded

Freitag, 1. September 2006, 21.01 Uhr

Erinnern Sie sich noch an den 17. August 2000? Genau: Das war der Tag, an dem die UMTS-Versteigerung beendet wurde und sechs Telcos für die Lizenz zum Funken rund 50 Milliarden Euro in die Staatskassen zahlten. Doch die hochgelobte neue Technologie, die im Labor so schön funktionierte, scheiterte lange Zeit an tückischen Alltagshindernissen und entpuppte sich schließlich als merkantiler Totalausfall. Gut acht Milliarden Euro hat jeder Mitbieter am Ende für seine Lizenz bezahlt – bis heute haben die Beteiligten ihr Geld nicht wieder reinbekommen. Eigentlich sollten die Telcos ihre Lektion gelernt haben. Aber nichts da. Allüberall herrscht hoffnungsfrohe Aufbruchstimmung und nörgelnde Miesepeter halten jetzt gefälligst die Klappe. Denn heute ist natürlich alles ganz anders als damals, heute ist nicht mehr Internet, sondern Web 2.0 und UMTS heißt jetzt Wimax. Das ist ein relativ neuer Funkstandard für drahtlose Internetverbindungen, der den durch UMTS schwer gebeutelten Telcos wieder hoffnungsfroh glänzende Augen schenkt. Wimax lockt mit sagenhaften Reichweiten und Bandbreiten, hat man doch in Laborversuchen schon mit mehr als 100 MBit/s über Distanzen von 50 km gefunkt. Was davon in der Praxis wirklich übrig bleibt,weiß man nicht so genau, aber das will jetzt auch keiner so genau wissen, schließlich muss man jetzt erstmal die neuen Claims abstecken. Und so wurde die Bundesnetzagentur mit Anträgen überschüttet. Wenn über 100 Unternehmen mit über 1000 Anträgen sich um eine Handvoll Wimax-Frequenzen bewerben, da macht man was? Genau. Eine Versteigerung. Game over. Insert next coin.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, 9/2006


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