Viele EHEC-Tote werden nicht mehr gesund

Montag, 13. Juni 2011, 15.37 Uhr

Seltsame Überschrift, nicht wahr? Die ist auch nicht von mir, sondern so überschrieb die dpa gestern abend eine ihrer Meldungen. Und da man bei der dpa diesen skurrilen Fehler nicht bemerkt hat (Feiertag, dünne Personaldecke, Sie verstehen), ging sie in die weite Welt der dpa-Kunden, wo sie in den automatischen Newsfeeds der Webseiten landete. Ob Stern, Focus, Zeit, Welt oder Westfälische Nachrichten – sie und zahlreiche andere Zeitungen haben diesen Unfug einfach kurzerhand online gestellt. Wie gesagt, das geht vollautomatisch, da schaut niemand mehr drüber. Zu Pfingsten schon gleich gar nicht.

Die Überschrift machte auf Twitter schnell die Runde (wo es auch einen hübschen Fotobeweis gibt), inzwischen haben wohl alle Zeitungen die Überschrift korrigiert, bei Google News findet man nur noch die „Zeit“, beim verlinkten Artikel ist aber bereits von „EHEC-Kranken“ die Rede.

Der Lapsus ist eigentlich lustig, hat aber auch einen unangenehmen Beigeschmack. Denn er zeigt wieder einmal, wie die Webseiten vieler Zeitungen entstehen: vollautomatisch, ohne Kontrolle, mit Tickermeldungen von dpa & Co. Vielfach wird hier aktuelle redaktionelle Arbeit nur simuliert, nicht geleistet. Das ficht die Verleger aber nicht an, denn genau für diese Nichtleistung klagen sie seit längerer Zeit ein eher seltsames „Leistungsschutzrecht“ ein, das unter anderem mit der hohen Qualität der journalistischen und verlegerischen Arbeit begründet wird.

Bislang habe ich immer noch nicht so recht verstanden, welche Leistung da eigentlich wie geschützt werden soll – automatische Tickermeldungen mit lustigen Überschriften können ja wohl kaum gemeint sein.


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Es soll vor allem die Maskerade geschützt werden, aus der tagtäglich die vielen Zeitungen und Online-Magazine entstehen. Viele Regionalblätter bestehen mindestens zu Dreiviertel aus dpa-Meldungen, bei denen die schreibenden Redakteure aus dem Kollektiv einfach mal zum „Mitarbeiter“ des Blattes umgetauft werden. Das Internet stört da natürlich nur bei der Aufrechterhaltung der Illusionen.

Ein gewisser K.May berichtete vor gut hundert Jahren von ganz Ähnlichem, der Beobachter an der Elbe, der Beobachter an der Spree …