Virtual Vista

Dienstag, 9. Januar 2007, 12.20 Uhr

Die Zukunft hat begonnen und sie heißt Virtualisierung. AMD und Intel rüsten ihre CPUs mit entsprechenden Funktionen aus, Websites laufen auf virtuellen Hosts, ganze Serverfarmen existieren als virtuelle Maschinen und Entwickler und Tester freuen sich über den geschrumpften Rechnerpark in ihren Büros. Wo früher ein, zwei, viele Computer physikalisch vorhanden sein mussten, genügt heute ein leistungsfähiger Rechner und eine Virtualisierungslösung wie etwa Virtual PC, VM Ware oder Parallels. So schont Virtualisierung nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Virtuelle Hardware muss schließlich weder produziert noch entsorgt werden. Eigentlich, so sollte man meinen, kann kein modernes IT-Unternehmen an dieser Entwicklung vorbei. Doch das sieht man in Redmond leider ganz anders. Dort lässt man die Möglichkeit, sich an die Spitze der technologischen Entwicklung zu setzen, ungenutzt verstreichen und spielt lieber den Bremser. Statt eine Virtual-Vista-Lizenz anzubieten, schränkt Microsoft die virtuellen Möglichkeiten auf Vista Business, Enterprise und Ultimate ein. Nur diese Versionen dürfen überhaupt auf einer virtuellen Maschine installiert werden (wofür eine Begründung vorgeschoben wird, die eher in die Kategorie »grober Unfug« fällt: Virtualisierung, so ist zu hören, sei nur etwas für Technikfreaks und daher für die Home-Versionen überflüssig). Mögen spätere Generationen darüber verwundert den Kopf schütteln – uns bleibt kaum mehr, als die betrübliche Feststellung, dass ein Unternehmen von der Marktmacht und Bedeutung Microsofts Virtualisierung nur als ökonomische Bedrohung statt als technologische Chance begreifen kann.

Zuerst in: Internet Professionell, 2 / 2007