Vom richtigen Zeitpunkt

Mittwoch, 13. April 2005, 14.57 Uhr

Vor einigen Tagen klage ich an dieser Stelle mein Leid mit den widerborstigen Windows- und Intel-Aufkleber auf meinem Dell-Notebook und lobte im Gegenzug Apple dafür, dass sie mein neues Powerbook von dergleichen Unfug verschont haben. Leser Markus F. gab mir einen Tipp, wie man die lästigen Wapperl los werden kann, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte: Er empfiehlt den Einsatz eines Haarföns in Kombination mit WD-40 Kontaktspray. Besten Dank, das wird in den nächsten Tagen ausprobiert.

Gleichzeitig wies er mich auch daraufhin, dass ich mit dem Kauf des Powerbooks ruhig noch etwas hätte warten sollen, denn noch im April soll eine neue Serie auf den Markt kommen. Über diesen Hinweis habe ich ein wenig gegrübelt. Habe ich wirklich zu früh gekauft? Hätte ich warten sollen?

Nun habe ich – was Markus F. nicht wissen konnte – das Powerbook bereits im Dezember gekauft, die Warterei bis zum April wäre also keine wirkliche Option gewesen. Doch nehmen wir an, ich hätte mir das Gerät erst im Februar oder im März zugelegt. Hätte ich dann mit dem Kauf besser bis zum April warten sollen? Ich glaube nicht. Denn man kann es drehen und wenden wie man will, man kauft immer zu früh. Immer steht eine Preissenkung kurz bevor, immer werden neue Geräte angekündigt, auf die man noch warten soll, bevor man kauft.

Das gilt auch für den Kauf meines Powerbooks im Dezember. Ich war gerade mal zwei Wochen stolzer Besitzer eines 12″ Powerbook G4, da gab Apple noch vor der Macworld Mitte Januar kräftige Preissenkungen bekannt, der Preis fiel um rund 200,00 Euro. Die gute Nachricht: Alle Kunden, die ihr Powerbook erst kürzlich im Apple-Store gekauft hatten, bekamen die Preissenkung erstattet. Die schlechte Nachricht: Ich hatte nicht im Apple-Store gekauft, sondern bei einem Apple-Händler. Der war zum Zeitpunkt des Kaufes nämlich rund 100,00 Euro billiger als Apple selbst. Hätte ich mit dem Kauf des Notebooks also zwei Wochen gewartet, hätte ich 100,00 Euro weniger bezahlt.

Nunja, das kann man nicht riechen, aber es kam noch dicker: Ende Januar stellte Apple die Nachfolgemodelle meines Notebooks vor. Mit mehr Speicher, höherem Prozessortakt und einigen netten neuen Erweiterungen. Hätte ich also nicht im Dezember, sondern erst im Januar gekauft, hätte ich nicht nur Geld gespart, sondern obendrein ein etwas besseres Gerät bekommen.

Habe ich also zu früh gekauft? Es sieht fast so aus. Aber eben nur: fast. Natürlich ist die Sache mit der Preissenkung ein wenig ärgerlich, natürlich hätte ich gern ein besseres Gerät für weniger Geld. Aber dabei darf man zweierlei nicht vergessen.

Zum einen vergeht auch bei Apple zwischen der Ankündigung und Auslieferung neuer Geräte einige Zeit. Zwar gab Apple Ende Januar an, die neuen Geräte seien sofort lieferbar, doch wirklich verfügbar waren sie erst Ende Februar/Anfang März. Ich hätte also nicht nur ein oder zwei Wochen mit dem Kauf warten müssen, sondern gut und gerne zwei Monate. Zum anderen habe ich in der Zeit, in der ich ansonsten mit dem Kauf gewartet hätte, das Gerät bereits gehabt, damit gearbeitet und Erfahrungen gesammelt.

Natürlich sollte man sich vor dem Kauf eines kostspieligen Gerätes informieren und eventuell eine oder zwei Wochen mit dem Kauf warten – länger aber auf keinen Fall. Wenn man sich dazu entschlossen hat, ein neues Gerät zu kaufen, dann sollte man – so meine rund zwanzigjährige Erfahrung beim Kauf von Computern und Zubehör – diesen Entschluss auch möglichst zügig in die Tat umsetzen und sich nicht davon abhalten lassen, dass die Preise fallen und die Nachfolgemodelle besser sein werden. Denn das wird immer so sein.

Wer immer nur auf den richtigen Zeitpunkt wartet, wird diesen Zeitpunkt garantiert verpassen, weil er sich nie entscheiden wird. Der richtige Zeitpunkt zum Kauf eines Computers ist genau dann, wenn man das Gerät benötigt – und nicht die nächste Preissenkung oder die Markteinführung eines neuen Modells.


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