Vom Stapel (1)

Sonntag, 3. September 2006, 23.30 Uhr

Vor einiger Zeit habe ich meine Bücher abgestaubt, durchforstet und neu geordnet. Ziel war es, die schiere Masse drastisch zu verringern und rigoros auszumisten. »Unter 1000«, war die Maxime. Daraus wurde nichts. Die Bücher, von denen ich mich endgültig trennen und die ich kurzerhand ins Altpapier geben wollte, machten gerade mal einen kleinen Stapel aus. Und der passte noch in eine bis dahin ungenutzte Ecke. Dort liegen sie nun, die Aussortierten und setzen Staub an. Dies ist Teil 1 einer lockeren Serie, in denen ich mir diese Bücher noch einmal vornehme, um sie schließlich doch noch wegzuwerfen.

Den Anfang macht allerdings ein Band, dem der Sprung vom Stapel gerade noch mal geglückt ist:

J. Hesse: Die Heiden und wir. 220 Geschichten und Beispiele aus der Heidenmission. Calw & Stuttgart: Verlag der Vereinsbuchhandlungen 1901.

Dieser kuriose Band lief mir einmal am Antiquariatskarren zu, der am U-Bahn-Ausgang an der Uni Bonn stand und auf seine Kunden wartete. Es verging selten ein Tag, an dem ich der Auslage nicht mindestens einen kurzen prüfenden Blick widmete. Meistens scheiterten meine Kaufwünsche am fehlenden Geld, manchmal kaufte ich aus schierer Verzweiflung so etwas wie die Heiden und wir. Der Band ist unterteilt in I. Die Heiden, II. Die Missionare, III. Die Heidenschriften und IV. Wir und versammelt Geschichten aus diversen Missionarsschriften. – Der Buch stand schon lange auf der Liste der wegzuwerfende Bücher. Doch kaum war es endlich soweit, erfuhr ich, dass es sich bei J. Hesse wohl um Johannes Hesse, dem Vater Hermann Hesses handelt. Nun mag ich Hesse nicht sonderlich, aber nach dieser Information bleibt der Band natürlich doch hier. Und wandert vom Stapel ins Regal zum Buchstaben H.

Bibliothek Dracula. Von denen Vampiren oder Menschen-Saugern. Dichtungen & Dokumente. Herausgegeben von Dieter Sturm und Klaus Völker in zwei Bänden. Teil 1. Sonderausgabe. Herrsching: Manfred Pawlak o. J. [~1985].

Ein schmuddliges, schwarzes Taschenbuch, dessen 2. Teil sich irgendwo versteckt hat. Das Buch habe ich mir während des Studiums in Bonn gekauft. Seinerzeit warf Pawlak Billignachdrucke gleich schockweise auf den Markt. Etwa Karl May in 74 Bänden, mehr oder weniger ungekürzt auf Grundlage von Fehsenfeld und Münchmeyer. Oder die Collection Jules Verne in 100 Bänden, die Jules Verne auf Basis einer ergänzten Harlebenschen Ausgabe in seltener Vollständigkeit auf deutsch vorlegte. Und eben die Bibliothek Dracula aus dem Carl Hanser Verlag. Eine Auswahl in drei dicklichen, knallroten Leinenbänden aus dieser schönen, ganz der phantastischen Literatur verpflichteten Reihe, hatte ein paar Jahre zuvor bereits Zweitausendeins vorgelegt (dort allerdings unter dem Titel Bibliotheca Dracula). Der Billigstnachdruck bei Pawlak bot eine günstige Gelgenheit, Fehlendes nachzukaufen. Zwar nicht in so schöner Form wie von Zweitausendeins, aber besser als nichts. Eigentlich müsste ich diesen Band behalten – hätte ich mir in der Zwischenzeit nicht längst eine bessere Taschenbuchausgabe zugelegt. Und jetzt stelle ich fest, dass es davon sogar eine gebundene Ausgabe für unter 10 Euro gibt. So kommt zwar für ein weggeworfenes Buch gleich ein doppelt so dickes wieder zurück, aber so geht’s einem mit Büchern halt oft.

Merve Eisinger: Stühle des 20. Jahrhundert. Funktionsmöbel und Designerstücke. München: Klinkhardt & Biermann 1994.

Was es nicht alles gibt: Ein Buch über Stühle. Mit so schönen Überschriften wie Der Stuhl versteckt sich im Ambiente. Der Stuhl unterwirft sich der Funktion. Der Stuhl wird zum Designerstück. Der Stuhl spielt verrückt. Praktisches. Das Buch wurde mir Ende der neunziger Jahre zu sehr später Stunde vom Wirt einer Gaststätte in München geschenkt. Fragen Sie mich nicht, warum. Ich weiß es nicht. Jedenfalls liegt das Buch völlig zurecht auf dem Stapel.

Compaq Armada 4100 Referenzhandbuch. O.O. o.J. [~1997] | Motorola V.34 28.8 Data/Fax Modem. Bedienungsanleitung. Huntsville, AL (USA): Motorola 1995. | PsiWin für Windows 3.1. Benutzeranleitung. O.O. 1995. | Systems 96. 15. Internationale Fachmesse für Informationstechnologie und Telekommunikation mit Kongress. München, 21–25 Oktober 1996.

Dokumente, die der Beruf so mit sich bringt. Bemerkenswert allenfalls, dass das Compaq Armada 4100 mein erstes Notebook war und ich es mit einem gezielten Faustschlag erledigte. Aber das ist eine andere Geschichte. Ab auf den Stapel.

John Grisam: Die Firma. München: Heyne 1992.

Ein etwas schmuddlig gewordenes, dickliches Taschenbuch. Der Weltbestseller #1 steht vorne drauf und Jetzt verfilmt mit Tom Cruise. Ein Buch, das so einen Wirbel auslöst, kann vielleicht eine ganz nette Lektüre sein, dachte ich. Und da ich der Spannungsliteratur nicht abgeneigt bin, kaufte ich und las. Was für ein durch und durch langweiliger Mist! Und was für eine verstockte Moral! Da stellt der Held fest, dass er unfreiwillig für die Mafia gearbeitet und in jede Menge wirklich dreckige Geschäfte verwickelt war. Und was liegt ihm schwer lastend auf dem Gewissen? Nein, nicht dass er am Tod verschiedener Menschen mitbeteiligt ist, sondern dass man ihn unter Drogen gesetzt und er in diesem Zustand völliger Unzurechnungsfähigkeit mit einer anderen Frau gevö… nein, wie nennt man das bei Grishams – seine Frau betrogen hat. Ein ganz und gar verlogener, erzreaktionärer Dreck. Weg damit. Am besten sofort.

– Wird fortgesezt –


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Hm, da von den Vampiren (gibbet /gab es wohl auch bei Suhrkamp(?)) grad auf meiner ‚mal besorgen + lesen‘ liste steht ich wohl aber eh nicht über die Hälfte komme: Hebste es mir auf? (Oder Per POst und ich übernehm Porto in Form des nächsten anfallenden Edelstoffs 😉 )

Spar’s Dir und kauf einfach die gebundene Ausgabe zu knapp 10,00 Euro. Hab ich gemacht, ist ein fairer Preis und die Ausgabe natürlich sehr viel besser als diese vergammelten Taschenbücher. Und Band 2 finde ich eh nicht mehr.

Biblotheca Dracula geht auch bei Ebay! Gebunden zwar für höhere Preise, aber die Menschensauger waren bei mir neulich erst Seminarlektüre an der Uni. (Bin über Google hergestolpert *g*)

[…] Einleitung. Vor einiger Zeit habe ich meine Bücher abgestaubt, durchforstet und neu geordnet. Ziel war es, die schiere Masse drastisch zu verringern und rigoros auszumisten. »Unter 1000«, war die Maxime. Daraus wurde nichts. Die Bücher, von denen ich mich endgültig trennen und die ich kurzerhand ins Altpapier geben wollte, machten gerade mal einen kleinen Stapel aus. Und der passte noch in eine bis dahin ungenutzte Ecke. Dort liegen sie nun, die Aussortierten und setzen Staub an. Dies ist Teil 2 einer lockeren Serie, in denen ich mir diese Bücher noch einmal vornehme, um sie schließlich doch noch wegzuwerfen. (Teil 1 findet sich hier.) […]