Vom Stapel (2)

Donnerstag, 14. Juni 2007, 2.00 Uhr

Einleitung. Vor einiger Zeit habe ich meine Bücher abgestaubt, durchforstet und neu geordnet. Ziel war es, die schiere Masse drastisch zu verringern und rigoros auszumisten. »Unter 1000«, war die Maxime. Daraus wurde nichts. Die Bücher, von denen ich mich endgültig trennen und die ich kurzerhand ins Altpapier geben wollte, machten gerade mal einen kleinen Stapel aus. Und der passte noch in eine bis dahin ungenutzte Ecke. Dort liegen sie nun, die Aussortierten und setzen Staub an. Dies ist Teil 2 einer lockeren Serie, in denen ich mir diese Bücher noch einmal vornehme, um sie schließlich doch noch wegzuwerfen. (Teil 1 findet sich hier.)

Theodor Körner’s sämmtliche Werke. Zwei Bände in einem. Siebente Auflage. Berlin: E. Grote’sche Verlagsbuchhandlung 1872.

Ein dicklicher Stumpen Augenpulver, zwei mal rund 400 Seiten, aber etwas kleiner als ein Reclam-Heft. Der geschmacklose Einbanddeckel mit plumpen Prägungen hängt nur noch an wenigen Fäden, der Rücken ist lose. Diverse Klebestreifen zeugen vom vergeblichen Behmühen des Vorbesitzer, der drohenden Auflösung entgegenzuwirken. Der Band ist mir mal in irgendeinem Bonner Antiquariat für wenig Geld in die Finger gekommen (wenn ich das richtig sehe, waren es wohl sechs Mark). Ich kann mich allerdings nicht erinnern, mehr als gelegentliche Seitenblicke getan zu haben, um mich jedes Mal sehr schnell mit Grausen abzuwenden. Das Buch enthält mehrfach den Stempel „Campion College AMDG Regina“ – und jetzt bin ich doch etwas erstaunt, dass Google nicht nur die Homepage des Colleges auswirft, sondern dass dieses College in Kanada ist. Vermutlich kam der Band im Gepäck eines Studenten nach Bonn.

Manfred Czerwinski: Flight Simulator 98. Pilotenhandbuch. München: Markt & Technik 1998.

Das Taschenbuch zu Microsofts legendären „Flight Simulator“. Das Programm hat mich mal eine Zeitlang interessiert und ich hoffte, mit Hilfe dieses Buches seine Tücken zum meistern. Das erwies sich allerdings als Irrglaube und außer dem Plan, mich damit einmal bei Gelegenheit etwas ausführlicher zu beschäftigen, ist nichts von meinem Interesse geblieben.

Peter Schneider: Totoloque. Das Geiseldrama von Mexiko-Tenochtitlan. Stück in drei Spielen. Darmstadt, Neuwied: Luchterhand 1985.

Ein quadratisches Büchlein, eine auf den Umschlag groß gekritzelte »3« zeigt an, dass ich dafür wohl drei Mark bezahlt habe. Gekauft: im Umfeld der Stucken-Lektüre („Die weißen Götter“). Gelesen: nie. Es hat mir gereicht, die letzte Regieanweisung zur Kenntnis zu nehmen:

Cortés lacht, keucht, erbricht. In diesem Augenblick wirft eine unsichtbare Hand Motecuzomas goldene Kugel in das Kugelspiel und jagt Cortés silberne Kugeln auseinander. Wind kommt auf, Sand treibt in die Augen der Zuschauer.

Danke, das genügt.

Franz Kafka: Das Schloß. Hg. v. Max Brod. Frankfurt: Fischer Taschenbuch 1979. (243.–257. Tausend.) – Ders.: Sämtliche Erzählungen. Hg. v. Paul Raabe. Frankfurt: Fischer Taschenbuch 1981. (439.–472. Tausend.)

Die beiden auf eher ekligem Papier schlecht gedruckten Bände wurden bereits vor Jahren durch die Taschenbuch-Ausgabe der Kritischen Ausgabe ersetzt.

Leo Tolstoi: Die Kreutzersonate und andere Erzählungen. Wiesbaden: Emil Vollmer o. J.

Fester Einband, Schutzumschlag, 190 Seiten. Ziemlich eng bedruckt, schwarz auf knallweiß, nicht wirklich lesbar (und von mir auch nie gelesen). Das Buch habe ich seit einer kleinen Ewigkeit, muss ich mir noch als Schüler auf einem Ramschtisch im Kaufhaus gekauft haben. Als ich noch dachte, dass dergleichen ein Buch sei. Inzwischen weiß man es ja besser und klassifiziert es sofort als Altpapier. Ich hatte immer schon mal vor, das Buch durch eine bessere Ausgabe zu ersetzen, habe es aber noch nicht getan. Ein Buch, das mit Bibelzitaten als Motto beginnt, hat relativ geringe Chancen, von mir gelesen zu werden.

Klabund: Borgia. Roman einer Familie. Frankfurt: Fischer Taschenbuch 1980. (16.–20. Tausend.)

Ein typisches, vergilbtes Taschenbuch, das man eher ungern anfasst. Auf der Innenseite hat der Vorbesitzer gut lesbar und sehr sauber folgendes notiert: „Olim pia – nunc impia –: ad majorem gloriam litterae!“ (wohl als Widmung für ein Geschenk?) Gelesen habe ich es trotzdem nicht.


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Keine Kommentare zu „Vom Stapel (2)“

„Ein Buch, das mit Bibelzitaten als Motto beginnt, hat relativ geringe Chancen, von mir gelesen zu werden.“

Aha! Lässt sich daraus schließen, dass sie die Biebel dann auch nicht lesen, gelesen haben, …???

Ansonsten habe ich auch gut einen Karton voll mit ausrangierten Büchern, welche ich vor einem Jahr mal ausrangiert habe, welcher aber noch immer im Keller steht.