Warum "Quittungen" bei E-Mails fast immer Unfug sind

Mittwoch, 1. Juni 2005, 12.54 Uhr

Bei sehr wichtigen oder dringenden E-Mails möchte man manchmal wissen, ob die Mail schon beim Empfänger gelesen wurde. Für diesen Fall bieten viele Mailprogramme an, der Mail eine so genannte Empfangsbestätigung mit auf den Weg zu geben. Eine solche Mail ähnelt ein wenig dem Einschreiben mit Rückschein: Sobald die Nachricht beim Empfänger eingetroffen ist, flattert Ihnen eine kurze Quittung ins Postfach und Sie wissen, dass Ihre Nachricht wohlbehalten eingetroffen und vom Empfänger geöffnet wurde.

Zumindest in der Theorie – in der Praxis gibt es da einige Probleme, die eine scheinbar nützliche Funktion mehr oder weniger sinnlos werden lassen.

Das beginnt bereits bei den zwei unterschiedlichen Quittungstypen.

  • Zum einen kann der Mailserver, der Ihre Mail entgegengenommen hat, den Empfang bestätigen. Damit wissen Sie lediglich, dass Ihre Mail den Weg durchs Internet überstanden hat, mehr nicht – ob der Empfänger Ihre Mail auch tatsächlich liest, ja ob er Sie überhaupt in seinem Postfach vorfindet, ist nicht wirklich sicher.
  • Bei der zweiten Art wird die Quittung abgeschickt, sobald der Empfänger die E-Mail geöffnet hat. Das ist zwar ein wenig besser – schließlich können Sie jetzt davon ausgehen, dass Ihre Mail den geplanten Empfänger auch erreicht hat – aber wirklich gut ist das immer noch nicht.

Denn anders als bei einem echten Einschreiben mit Rückschein, das nur persönlich übergeben wird, ist eine Mailquittung kein zuverlässiger Beleg darüber, dass der Empfänger Ihre Mail auch wirklich zur Kenntnis genommen hat. Manche Programme verschicken die Empfangsbestätigung auch, wenn die Mail ungelesen gelöscht oder vom Empfänger zwar als „gelesen“ markiert, aber nicht geöffnet wird.

Eine Empfangsbestätigung ist nichts anderes als eine vom E-Mail-Programm des Empfängers automatisch erzeugte Antwort – ob diese Antwort nun allerdings auch abgeschickt wird, hängt vom Empfänger bzw. von den Einstellungen seines E-Mail-Programms ab.

Sie können also aus der Tatsache, dass Sie keine Empfangsbestätigung erhalten haben, nicht schließen, dass Ihre Mail verloren ging oder noch nicht gelesen wurde. Es ist auch möglich (und sogar recht wahrscheinlich), dass der Empfänger Ihre Mail zwar gelesen, die Quittung aber gelöscht oder gar nicht erst ausgestellt hat.

Wenn Sie zum Beispiel mir eine E-Mail mit der Anforderung eine Empfangsbestätigung schicken, werden Sie nie eine Quittung bekommen, weil mein Mailprogramm so eingestellt ist, dass es jede Anforderung dieser Art einfach ignoriert. Ich bekomme es also noch nicht einmal mit, dass Sie eine Empfangsbestätigung angefordert haben.

Obendrein arbeiten nicht alle Mailprogramme in diesem Punkt zusammen. AOL etwa ignoriert alle Anforderungen von Empfangs- oder Lesebestätigungen.

Doch selbst wenn alles so abläuft wie geplant, das Mailprogramm eine Quittung ausstellt und der Empfänger der Mail diese auch abschickt, ist es durchaus nicht immer ratsam, mit Empfangsbestätigung zu mailen: Viele Empfänger empfinden das als Belästigung oder gar als Kontrolle. Wenn Sie also partout eine Quittung haben möchten, dann setzen Sie das Verfahren ausschließlich für wirklich wichtige Mails ein, und auch nur bei Empfängern, die Sie kennen (oder bei denen es Ihnen egal ist, was sie von Ihnen denken).


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