Was wäre wenn

Mittwoch, 1. Januar 2003, 14.10 Uhr

Mit Softwarepatenten ist das so eine Sache. Einerseits leuchtet es natürlich ein, dass ein Entwickler sein Recht am geistigen Eigentum geltend machen kann, andererseits werden immer mal wieder die seltsamsten Patente ausgegraben und plötzlich wird all das lizenz- und kostenpflichtig, was seit Jahren als vermeintlich offener Standard benutzt wird. Dann sind Patente wie Poker: Man wartet ein paar Jahre ab, bis sich alle in Sicherheit wiegen, kramt in den Unterlagen, präsentiert den verdutzten Mitspielern den patentierten Royal Flush und kassiert ab. Doch es könnte ja auch anders sein. Was wäre, wenn eine kleine Firma, nennen wir sie mal Eolas, ein Patent auf vitale Feature einer Software besitzt, sagen wir mal, auf die Möglichkeit des Internet-Explorer, via ActiveX-Controls erweitert zu werden, und wenn der Firmeneigentümer, der vielleicht Mike Doyle heißen könnte, ausnahmsweise einmal nicht auf das Geld aus ist, sondern darauf, dass Patente vor allem das Recht bedeuten, Nein zu sagen? Was wäre, wenn ein solcher Patentinhaber Geldangebote ablehnte und eine sehr große Firma, die wir, warum eigentlich nicht, Microsoft nennen können, entschlossen vor Gericht zerrte? Was wäre, wenn dieser Mann Recht bekäme und damit der sehr großen Firma das Herzstück eines browserzentrierten Betriebssystem, das wir einfach mal Windows taufen wollen, wegbräche und kein Geld der Welt es zurück brächte? Wir werden es erfahren: Um genau diese Fragen kreist der Prozess Eolas vs. Microsoft, der in den USA gerade in die nächste Runde gegangen ist. 2003 wird spannend – was wäre wenn?

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, 1/2003