Weihnachtswetter

Mittwoch, 25. Dezember 2013, 19.41 Uhr

Sie malen und schildern uns in ihren Büchern und Bildern die heilige Christnacht als im tiefen reinlichen Schnee begraben und mit dem Glitzern der Sterne drüber. Auch ein Schneesturm ist dann und wann gestattet, liegt bequem in der Hand und paßt in die Stimmung. Daß das Wetter zu Weihnachten meistens ganz anders ist, dafür kann weder der Pinsel, noch die Feder der Herren und Damen.

Es ist anders. Es tut einem noch nicht einmal den Gefallen, ordentlich zu regnen. Aber es hat gewöhnlich geregnet, und das Wetterglas steht zwischen sechs und acht Grad über Null; es ist eine Temperatur, die der Mensch, welcher keine „Weihnachtsgeschichte“ zu schreiben und nicht für den Holzschnitt der betreffenden Journaljahrsnummer zu zeichnen hat, unbehaglich nennt.

Wilhelm Raabe, Der Lar (1889)

Sämtliche Werke (Braunschweiger Ausgabe), Bd. 17, S. 346