Wie ich einmal wegen Volksverhetzung angezeigt wurde

Freitag, 9. August 2013, 2.44 Uhr

Diese kleine Anekdote wollte ich immer schon einmal erzählen.

Lang’ ist’s her, rund 14 Jahre. Damals, im Februar 1999, war ich noch mehr oder weniger regelmäßig im Usenet unterwegs und habe mich (was ich heute so gut wie gar nicht mehr tue) auch mehr oder weniger rege an Diskussionen beteiligt. Zum Beispiel an dieser hier in de.soc.zensur, in der ein US-Nazi mit einer der typischen antisemtischen Provokationen mal wieder das deutsche Usenet aufmischen wollten (vielleicht war es auch ein deutscher Nazi oder einfach nur einer der depperten Trolls, die einem immer mal wieder über den Weg laufen, aber das ist ja egal).

Die Frage „Can you tell me what I would get for this statement in Germany?“ beantwortete ich ohne große Überlegung mit „in Germany? Today? Applause.“

Einige Wochen später klingelte mein Telefon, und es meldete sich ein Polizist der Münchner „Cybercops“. Gegen mich sei eine Anzeige wegen Volksverhetzung im Internet eingegangen. Ich war ein wenig perplex und fragte irritiert nach, wie um alles in der Welt denn jemand auf dieses dünne Brett kommen könne. Nach einigem hin & her dämmerte es mir, dass wohl meine flapsig-sarkastische Antwort auf den Nazi-Troll gemeint sein müsse, die als Zustimmung missverstanden wurde. Meine Aufforderung, sich doch einfach mal den Kontext anzusehen, in dem ich da überhaupt reagiert hätte, wurde etwas gewunden mit „geht nicht“ beantwortet; er habe da nur einen (wohl nicht sehr aussagekräftigen) Ausdruck. Und im Usenet anschauen könne er sich das auch nicht, weil „der Internet-Computer“ (doch, doch – Singular) beim Kollegen im anderen Stockwerk stünde.

Da musste ich doch lachen.

Es entspann sich dann ein recht angenehmes Gespräch, in dessen Verlauf der Polizist meinte, er sei selbst erstaunt gewesen, wie leicht ich aufzufinden gewesen sei. Es sei ja sonst nicht so, dass diejenigen, gegen die eine solche Anzeige eintreffe, einfach mit ihrem Realnamen online unterwegs sind (was ich, nebenbei, immer gewesen bin, ich halte von Pseudonymen sehr wenig bis gar nichts, aber das ist ein anderes Thema).

Damit war die Sache für mich erledigt, die Anzeige wurde dann wohl einfach zu den Akten gelegt, so genau weiß ich das nicht. Aber immerhin wusste ich, dass die Münchner Polizisten, die sich um „das Internet“ kümmern sollten, IT-mäßig weit, sehr weit hinterher hinken. Woran sich wohl bis heute nicht viel geändert hat.

Ach, btw – bei der Suche nach der Usenet-Quelle habe ich es zuerst mit what will i get for this in germany in germany today applaus damaschke erfolglos bei Startpage gesucht. Bei Google brachte die exakt gleiche Anfrage prompt die gesuchte Seite.