Wie man nicht gefunden wird

Mittwoch, 2. Februar 2005, 20.24 Uhr

Es gibt einen wundervollen Sketch der englischen Komikertruppe Monty Python: »How not to be seen«, wie man nicht gesehen wird. Da werden verschiedene, scheinbar menschenleere Bilder gezeigt und erläutert, hier sehe man nicht »Mr. E. R. Bradshaw of Napier Court, Black Lion Road London SE5« oder »Mrs. B. J. Smegma of 13, The Cresent, Belmont«. Die haben sich nämlich versteckt. Doch sobald sie ihr Versteck verlassen – »Mr. Bradshaw, würden Sie bitte aufstehen?« –, werden sie in die Luft gesprengt. Der Sketch nimmt immer absurdere Wendungen bis er schließlich in pythonscher Konsequenz mit der Explosion des gesamten Erdballs endet. Warum ich ihnen das erzähle? Ganz einfach: Weil »How not to be seen« neben dem legendären »Spam«-, der zweite Sketch ist, der eine aktuelle Lektion für das Internet-Zeitalter bereit hält. Früher konnte man im Netz unbesorgt aufstehen, aufgeregt winken und neugierig schauen, wer alles reagieren würde. Doch Google, Datamining & Co. haben diesem harmlosen Spaß ein jähes Ende bereitet, bringt der Kampf um Marktanteile doch nicht nur neue Suchmaschinen, sondern auch immer ausgefeiltere Suchtechnologien hervor, die dafür sorgen, dass früher oder später noch der unscheinbarste digitale Seufzer in riesigen, vernetzten Datensammlungen zu finden ist. Da wird das einst amüsante »vanity surfing« rasch zum Albtraum, aus dem es nur einen Ausweg gehen. Machen Sie es nicht wie Mr. Bradshaw, stehen Sie nicht auf und sorgen sie dafür, dass Sie nicht gefunden werden.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, 2 / 2005