Wo bleibt das Positive?

Sonntag, 3. November 2002, 1.13 Uhr

Wenn man das mitunter wirre Treiben der Internetbranche ein paar Jahre spöttisch glossierend begleitet hat, gerät man unweigerlich in den Ruf, ein missmutiger Nörgler zu sein. Nun mag zwar der aktuelle Katzenjammer Grund genug bieten, missmutig zu werden, doch auch wenn Schadenfreude angeblich die schönste Freude sein soll, so wäre doch der ein böser Bube, der beim Scheitern hoffnungsvoll hochfliegender Pläne hämisch grinsend triumphierte. Und so will auch ich mein Scherflein zur Stimmungsaufbesserung beitragen und auf zwei positive Nachrichten der letzten Tage besonders hinweisen. Erstens: Bertelsmann will sich weitgehend aus dem Internetgeschäft zurück ziehen. Zweitens: Die Telekom will Anteile von T-Mobile und T-Online abstoßen. Das seien aber jetzt ausgemacht schlechte Nachrichten? Aber nicht doch – der Rückzug der beiden Medienkolosse ist ein gutes Zeichen, stehen sie doch geradezu idealtypisch für die Schar der hyperventilierenden Hysteriker, die das Internet in den letzten Jahren heuschreckengleich heimsuchten und deren meist steindummen Vorstellungen der vernetzten Zukunft Dokumente eines kolossalen und extrem kostspieligen Nichtverstehens waren. Dem Netz gilt das gleich, das wächst ruhig und gelassen weiter, die Nutzerzahlen steigen wie eh und je. Und wer sich durch den Staub, den die tumbe Herde bei ihrer Stampede im Internet aufgewirbelt hat, nicht den Blick vernebeln lässt, der wird problemlos erkennen, wo wir in Sachen Internet stehen: Am Anfang einer verheißungsvollen Zukunft.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, November 2002