Zune oder Zombie?

Mittwoch, 8. November 2006, 15.14 Uhr

Noch in diesem Jahr will Microsoft mit dem Zune-Player Apples iTunes-Festung sturmreif schießen und den digitalen Musik- und Videomarkt kräftig aufmischen. Doch je mehr Details über den als »iPod-Killer« apostrophierten Zune bekannt werden, desto befremdlicher scheint Microsofts Optimismus, Apples Imperium ernsthaft ins Wanken bringen zu können. Schenken wir uns das geschmäcklerische Gemäkel über Design, Farbe und die unübsehbaren iPod-Anleihen, die bis zum Verpackungsdesign reichen, und konzentrieren wir uns auf ein nagelneues Zune-Feature: Die Möglichkeit, via Funk Daten zwischen den Playern auszutauschen. Darauf ist Microsoft gar nicht mal zu unrecht stolz und schwärmt vom sozialen Netzwerk der Zune-Anwender. Dumm nur, dass damit ein Kontroll- und Schutzsystem einher geht, das aus dem Zune einen Zombie werden lässt. Jede Datei, die auf den Player kopiert wird, bekommt automatisch eine Markierung verpasst, die dafür sorgt, dass die Datei nach einer Funkübertragung nur noch drei mal innerhalb von drei Tagen abgespielt werden kann. Wie gesagt: Jede Datei. Alles, was auf den Zune kopiert wird, wird automatisch zwangsgeschützt. Selbst, wenn der Urheber sein Werk explizit zur freien Nutzung vorgesehen hat, wissen Microsoft und Zune es besser und nehmen die Datei sicherheitshalber in Geiselhaft, die spätestens nach drei Tagen ein letales Ende findet. Wie man mit einem derart rigiden, sich über erklärte Urheberabsichten dreist hinwegsetzendes Vorgehen ein soziales Netzwerk von Zunies aufbauen will, das wird wohl bis auf weiteres das Geheimnis des Microsoft-Managements bleiben.

Zuerst in: Internet Professionell, Dezember 2006