Lektüre

Sonntag, 20. August 2006, 11.05 Uhr

Leider nur zwei Romane hat Wolf von Niebelschütz hinterlassen, als er 1960 gerade mal 47jährig starb und es ist bezeichnend für den Literaturbetrieb, dass zwar die Produkte der Firma BöllGrassWalser & Co. ein hinreichendes Echo finden, dafür aber die monumentalen Romane Der blaue Kammerherr (1949) und Die Kinder der Finsternis (1959) erst mählich und fast nur über Schleichwege den Weg zu ihren Lesern finden.

Ich weiß nicht, wie andere Leser auf diesen Autor aufmerksam wurden, bei mir war es ein kurzer Hinweis von Hans Wollschläger. Der nämlich hatte 1982 in der ersten Nummer des Raben (dem »Magazin für jede Art von Literatur« des seinerzeit nagelneuen Haffmans-Verlages) mit wuchtigem Lob auf Niebelschütz hingewiesen:

Solche Bücher entstehen auf der Welt nur alle Jahrzehnte einmal und wischen Jahrzehnte Mit-Literatur vom Tisch. Die Kinder der Finsternis […] haben die große beschwörende Atmosphäre des Mythischen […] und sind ein Literatur gewordenes Stück Erinnerung an Unser Aller Vorzeit […]. […] man kann zurzeit kaum Besseres lesen.

Der so gelobte Roman erlebte kurz zuvor, 1981, seine zweite Auflage und seither, so mein Eindruck, wächst sein Ruhm, langsam, aber um so sicherer.

Anfang der 80er brachte Der Merkur eine fulminante Polemik Eckhard Henscheids (die mir jetzt nicht vorliegt und aus der also leider nicht zitiert werden kann), in der er die gängige Literatur der 50er-Jahre entsorgte und nur vier Namen gelten ließ: Thomas Mann, Hans Henny Jahnn, Arno Schmidt und Wolf von Niebelschütz.

In einer der der nächsten Ausgaben nahm, ich glaube, Jens Malte Fischer, diese Polemik zum Anlass, um den Lesern Wolf von Niebelschütz etwas ausführlicher vorzustellen. Viel sei nach Henscheids Polemik ja nicht übrig geblieben von der Literatur der 50er-Jahre. Und wer ist denn überhaupt dieser Wolf von Niebelschütz?

So unbekannt waren Name und Werk.

Heute stößt man in de.rec.buecher und anderswo immer wieder auf seinen Namen und er scheint eine langsam wachsende Leserschaft zu bekommen.


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