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August Wilhelm Iffland27.8.2026
August Wilhelm Iffland (1759–1814) war fraglos einer der berühmtesten und wohl auch bedeutendsten Schauspieler seiner Zeit und zudem ein sehr produktiver Autor. Von seinen zahlreichen Stücken habe ich bislang zwei gelesen (und dabei wird es wohl auch bleiben): ›Die Jäger. Ein ländliches Sittengemälde in fünf Aufzügen‹ (1785) und ›Der Komet. Posse in einem Aufzug‹ (1799).
Als Dramatiker ist er in der Sittenschilderung am bedeutendsten; seine Stücke zeigen weniger moralisierende Breite als vielmehr eine außerordentliche Bühnen- und Menschenkenntnis und eine gemütlich-sittliche Tendenz.
Das etwas verquollene Deutsch deutet auf eine Quelle so um 1950 hin, aber es trifft auf ›Die Jäger‹ jedenfalls so halbwegs zu: Es gibt jede Menge »gemütlich-sittliche« Szenen aus dem Haushalt der Oberförsters, moralisiert wird zwar gehörig, aber es wird nicht allzu breit ausgewalzt. Allerdings werden die üblichen bürgerlichen Ideale gefeiert und gepriesen, dieser »Glück im Winkel«-Quatsch und das Gesellschaftsbild/-ideal ist schon arg gruselig.
Da gibt es auf der einen Seite die Familie des Oberförsters mit dem Oberförster als gottgewollter oberster Instanz (und der nicht umsonst Oberförster ist), seiner Frau, die sich um Küche, Garten und Hochzeiten kümmert, deren ungestümen Sohn Anton, der sittsamen Pflegetochter und Waise Friederike (deren Sittsamkeit sich u.a. daran zeigt, dass sie nach zweijährigem Aufenthalt in der Stadt Fragen nach der neuesten Mode nicht zu beantworten weiß) und dem treuen Diener Rudolph. Auf der anderen Seite steht der arrogante und korrupte Amtmann (übrigens seinerzeit von Iffland selbst gespielt), seine zickige und eingebildete Tochter Kordelchen und der (nur namentlich auftauchende) Sohn Peter; eine »Frau Amtmann« wird, wenn ich das richtig sehe, nicht einmal erwähnt: Die Familie des Amtmanns ist also gewissermaßen schon von Haus aus beschädigt.
Beide Familien haben mehr oder weniger sprechende Namen: Der Oberförster heißt »Warberger«, der Amtmann »von Zeck«. Dazwischen steht der verschlagene und intrigante Matthes, der zu Beginn des Dramas noch Diener beim Oberförster ist, sein Dienstverhältnis aber bereits gekündigt hat und zum Amtmann wechselt. Zudem gibt es Personal dazwischen: Bauern, einen Schulzen, eine Wirtin, Bedienungen und Gäste in einem Gasthaus, Jägerburschen.
Anton liebt Friederike, sie liebt ihn, die Mutter aber hätte gern Anton mit Kordelchen und Friederike mit Peter verkuppelt. Die Oberförsterin ist gegen die Heirat von Anton und Friederike, da sie unterschiedliche Konfessionen haben, aber der Oberförster und der Pastor reden ihr gut zu und natürlich lässt sie sich überzeugen. Anton hat von Umstimmung seiner Mutter allerdings nichts mitbekommen, rennt davon und will unter die Soldaten. Angeblich aber soll er den Matthes ermordet haben, Anton wird festgenommen, es gibt ein paar sehr sentimentale Szenen, in denen der Oberförster, die Oberförsterin, Friederike und der Pastor versuchen, den Amtmann – der die Anklageschrift bewusst boshaft abgefasst hat, weil der Oberförster zuvor einem Korruptionsversuch aufrecht widerstand – umzustimmen, dann klärt sich der angebliche Mord auf: Matthes ist nur verwundet und es war auch nicht Anton, sondern der alte Diener Fritz, den Matthes aus seiner Stellung vertrieben hat und der jetzt vor dem finanziellen Ruin steht. Und die bürgerliche Familie des Oberförsters ist wieder heil.
Iffland war generell ein sehr erfolgreicher und einflussreicher Autor (er und Kotzebue haben praktisch das Bühnengeschehen der Zeit – also Ende 18./Anfang 19. Jahrhunderts – bestimmt), die ›Jäger‹ waren wohl eines seiner erfolgreichsten Stücke überhaupt. Im Nachwort meines Reclam-Heftes von 1976 heißt es:
Am Berliner Theater stammt mehr als ein Drittel des Repertoires der Jahre 1790 bis 1830 aus Ifflands und Kotzebues Feder, und in dem Zeitraum von 1786 bis 1885, also bis nach dem Kulturkampf, den Gründerjahren und den Sozialistengesetzen, werden ›Die Jäger‹, freilich mit abnehmender Häufigkeit, 160-mal gegeben.
Warum das Stück übrigens ›Die Jäger‹ heißt, erschließt sich mir nicht so recht: Jagd & Jäger tauchen nur am Rand auf, und als äh »Gattungsbegriff« (mir fällt auf die Schnelle nichts besseres ein ;-)) für die ideale Oberförsterfamilie scheint mir der Titel auch nicht wirklich zu taugen.
Während ›Die Jäger‹ aus literaturhistorischer Perspektive interessant sein kann, kann man die eher lahme Possse ›Der Komet‹ (1799) getrost ignorieren. Das Stück ist ausschließlich erwähnenswert, weil Arno Schmidt es in ›Kaff auch Mare Crisium‹ von Schulkindern aufführen lässt. Was, wenn man das Stück mal gelesen hat, mehr als unwahrscheinlich ist (nicht nur, dass eine Laienbühne das aufführt, sondern dass es überhaupt irgendjemand aufführt). Schmidt zitiert auch nur klug ausgewählte Sätze, die zum Gesamtgefüge von ›Kaff‹ passen. (Es geht um den Buchbinder Balder, dem ein Scharlatan eingeredet hat, dass ein Komet die Erde zerstören werde, damit der Scharlatan die Tochter und das Geld Balders bekommt.)