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Metze & Scheffel22.8.2026
Den Anmerkungen, die die Herausgeber den Ausgaben unserer Klassiker mit auf den Weg geben, hängt der Ruf an, dem suchenden Blättern die Düpierung folgen zu lassen, weil sie das, was sie erklären sollen, nicht erkären und den Leser statt dessen mit allerlei unnützem Zeug frustrieren.
Ein hübsches Beispiel für so eine großtuende, aber nichtsnutzige Anmerkung findet sich in Johann Gottfried Seumes ›Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802‹ (hrsg. v. Jörg Drews, Insel, 2002).
Da besucht Seume eine Höhle und schreibt (S. 74):
Zum Beweis, daß dieser Fluß [in der Höhle] das bei Planina wieder herausströmende Wasser sei, erzählte man mir, man habe vor einiger Zeit hier bei dem Einsturz ungefähr eine Metze Korke hinein geworfen, und diese seien dort in der Bergschlucht wieder zum Vorschein gekommen.
Eine Metze Korke. Wieviel mag das sein? Eine Handvoll? Ein Eimer? Ein Fass? Schlagen wir’s in den Anmerkungen nach. Da erfahren wir auf S. 396:
Metze] Mengenmaß; der 16. Teil eines Scheffels.
Das soll vielleicht einfach ein Witz sein (historische Maße sind ein komplexes Thema für sich), vielleicht hat der Herausgeber auch nur in einem zeitgenössischen Lexikon wie Adelungs ›Wörterbuch‹ von 1793 nachgelesen. Dort heißt es:
4. Die Mêtze, […] ein gewisses Mengenmaß trockner Dinge […] Ein kleineres, welches in ganz Ober- und Niedersachsen üblich ist, wo es den 16ten Theil eines Scheffels […] beträgt […].
Wie auch immer: Dass es sich bei der »Metze« nicht um ein leichtes Mädchen, sondern um ein Mengen- bzw. wohl besser: um ein Hohlmaß handelt, weiß der Leser durch den Kontext, dass es »der 16. Teil eines Scheffels« sei, lässt ihn genauso schlau zurück wie vor dem Nachschlagen.
Zum Glück gibt es dazu einen Eintrag in der Wikipedia – d.h. es gibt sogar zwei: Einer zu Metze (Hohlmaß) und einer zu Metzen (Hohlmaß). Dort erfahren wir, dass das gar nicht so eindeutig und einfach ist, wie die Anmerkung suggeriert, derzufolge man nur noch wissen muss, wieviel ein Scheffel ist, sondern dass die Größe einer Metze/eines Metzen doch sehr davon abhängt, wo man sich gerade befindet.
In Bayern entsprach ein Metzen 37,06 l, in Österreich war es sehr viel mehr, nämlich 61,487 l, dafür in Preußen mit 3,435 l sehr viel weniger. Da Seume aus Sachsen stammt, nehmen wir einfach den sächsischen Metzen, der rund 6,5 l fasst: »ungefähr eine Metze Korke« entspricht also rund einem Eimer voll.
Was ein »Scheffel« ist, erfährt man ebenfalls in der Wikipedia, nämlich »ein altes Raummaß, das zur Messung von Schüttgütern (z.B. Getreide) benutzt wurde«. Und auch hier gibt es große regionale Unterschiede. Der »dänische Scheffel« entsprach 17,38 l, im Herzogtum Braunschweig fasste ein Scheffel dagegen stolze 310,25 l.